Bei Liberogic arbeiten wir kontinuierlich an der Verbesserung der Web-Accessibility. Nun haben wir eine Serie von Artikeln zum Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) – dem Standard für Web-Accessibility – auf dem technischen Informationsportal Zenn veröffentlicht.
Dieses Mal möchten wir den Hintergrund und die Motivation für diese Artikel sowie eine Übersicht der einzelnen Artikel präsentieren.
Das "Warum?" des WCAG klären
Bei der täglichen Implementierung und Überprüfung von Websites bin ich immer wieder auf Punkte gestoßen, die Kopfzerbrechen verursachen: "Wie interpretiere ich diesen WCAG-Standard richtig?" oder "Kann ich sagen, dass diese Implementierung konform ist?"
Diese Artikelserie ist auch Teil meines Engagements zur Aufrechterhaltung und Aktualisierung meiner internationalen Accessibility-Qualifikation "IAAP WAS (Web Accessibility Specialist)". Noch wichtiger ist mir aber, Wissenslücken, auf die jeder in der Praxis stößt, zu ordnen und dieses praktische Wissen zu teilen. Daher habe ich beschlossen, diese Gedanken zu sammeln und zu dokumentieren.
WCAG-Konformität ist kein "Ziel", sondern ein "Startpunkt"
Das wichtigste Anliegen dieser Artikel ist: "Die Erfüllung aller WCAG-Kriterien bedeutet nicht, dass etwas zu 100% barrierefrei ist."
Das WCAG ist die "Mindestanforderung" für die Nutzung von Inhalten durch diverse Nutzer und nur der Ausgangspunkt für Accessibility.
Wenn man sich mechanisch eine Checkliste vornimmt und sich nur zum Ziel setzt, "die Erfolgskriterien zu erfüllen", kann die Perspektive fehlen, ob die Lösung für Nutzer wirklich benutzerfreundlich ist.
Daher verzichten wir nicht auf oberflächliches Know-how wie „implementieren Sie es so und Sie erfüllen die Standards". Stattdessen erklären wir tiefer gehend, „warum diese Standards entwickelt wurden" – die Hintergründe und Absichten dahinter. Durch das Verständnis der Intention hinter den Standards entwickeln wir eine tiefere und ganzheitlichere Auffassung von Accessibility.
Zenn veröffentlichte Artikel
Wir haben die Punkte, bei denen Sie in der praktischen Implementierung und Überprüfung am häufigsten unsicher sind, in fünf Artikel nach Themen gegliedert. Schauen Sie sich gerne die Themen an, die Sie interessieren.
WCAG-Orientierungshilfe ① Ist die px-Angabe für Schriftgrößen zulässig?
Wir befassen uns mit der Natur einer „zugänglicheren Implementierung", die die Spezifikation von px in modernen Browserumgebungen klärt und dabei die Schriftgrößeneinstellungen des Benutzers respektiert. Artikel auf Zenn lesen
WCAG Verwirrungspunkt ②: Verstößt „Mehr anzeigen" mehrfach gegen 2.4.4 (Linkzweck)?
Erklärung der Grenzen der Konformitätskriterien, wenn der „passende Kontext" vorhanden ist. Darüber hinaus schlagen wir eine Implementierung aus einer tiefergehenden UX-Perspektive vor, um die Betriebseffizienz für Screenreader-Nutzer zu verbessern. Den Artikel auf Zenn lesen
WCAG-Verwirrungs-Punkt ③: Wenn ein Bildlink keinen Alternativtext hat – welcher Standard ist betroffen?
Der Text behandelt die Entwirung von komplexen Situationen, bei denen ein Problem mehrere Erfolgskriterien (1.1.1, 2.4.4, 4.1.2 usw.) betrifft. Es erläutert die Beziehungen zwischen mehreren Kriterien und wie man eine Bewertung durchführt – Aspekte, die bei praktischen Audits oft zu Verwirrung führen. Den Artikel auf Zenn lesen
WCAG Verwirrpunkte ④ Warum ist ein natürliches Select-Element nicht konform, obwohl ein Custom-Dropdown optisch identisch aussieht? Beurteilung nach 3.2.2 (bei Eingabe)
Erklärung der von W3C definierten Unterschiede zwischen „Einstellungsänderung" und „Aktivierung". Das Verhalten der visuellen Darstellung sollte nicht zu Verwirrung führen – der Leitfaden konzentriert sich auf die richtige Beurteilung basierend auf Semantik und Operationsklassifizierung. Artikel auf Zenn lesen
WCAG-Verwirrungspunkt ⑤ Wo ist 4.1.1 hin? Nach welchem Standard werden HTML-Syntaxfehler behandelt?
Erklärung des Hintergrunds zur Abkündigung von 4.1.1 in WCAG 2.2 und wie bisherige Syntaxfehler auf Basis von tatsächlichen Auswirkungen auf andere Kriterien (1.3.1 und 4.1.2) verteilt werden sollten – aus der Perspektive der Website-Qualität dargelegt. Artikel auf Zenn lesen
*Hinweis: Die WCAG-Richtlinien enthalten viele äußerst komplexe und schwer verständliche Formulierungen. Daher können die Erläuterungen und Beurteilungskriterien in den einzelnen Artikeln Interpretationen enthalten, die auf unserer praktischen Erfahrung basieren. Wir empfehlen, diese Erklärungen zusammen mit den WCAG-Richtlinien zu konsultieren.
Fazit
Web-Accessibility ist kein einmaliger Prozess, sondern etwas, das kontinuierlich gepflegt und entwickelt werden muss.
Wir hoffen, dass dieses Ergebnis den Ingenieuren, Designern und Direktoren, die sich täglich mit der Implementierung und dem Testing von Accessibility auseinandersetzen, als Inspiration dient.
Liberogic wird sich weiterhin dem Ziel einer „für alle zugänglichen Webseite und Services" widmen und diese technologische Vermittlung sowie praktische Umsetzung fortsetzen. Falls Sie Fragen zur Accessibility haben oder Feedback zu unseren Artikeln geben möchten, kontaktieren Sie uns gerne!
Von DTP in die Web-Welt – und dann Markup, Frontend, Projektleitung und Accessibility alles gemeistert: ein "Technik-Weise". Seit den Anfangstagen von Liberogic vielseitig tätig und mittlerweile eine lebende Wissensquelle im Unternehmen. Derzeit fasziniert von der Frage "Können wir Accessibility-Umsetzung noch stärker mit KI unterstützen?" und erforscht Optimierungsmöglichkeiten durch gezieltes Prompt-Engineering. Technisch wie gedanklich immer noch in Entwicklung.
Futa
IAAP-zertifizierter Web Accessibility Specialist (WAS) / Markup Engineer / Frontend Engineer / Web Director